Abschieds-Trilogie

 

Ostseewind

Immer wenn ich Heimweh habe,

streift dein Windzug mein Gesicht,

so als ob er sagen wollte:

Lebe Abschied, klage nicht!

 

Schau', ich bringe in die Fremde

dir bald letzte Grüße schon:

Wälder rauschen, Meer und Wogen,

Ginster blüht und rot der Mohn.

 

Hoch in Lüften schwirrt die Lerche,

singt ein spätes Sommerlied;

wenn im Wind die Blätter treiben,

Kranichzug vorüberzieht.

 

Winterweiß auf Teich und Brücken

lädt zu später Heimkehr ein.

Fändest du der Kindheit Spuren,

wieder ein Zuhausesein?  –

 

Ostseewind weht mir mein Leben

wie ein Traum durchs weiße Haar . . .

Hab' verloren, auch gegeben  –

möcht' nicht missen, wie es war.

 

(Klaus Schikore – August 2009)

Nordseewind

Immer wenn ich ostwärts fahre,

heim ins ferne Pommernland,

grollt dein Meer, als wollt' es sagen:

Bleib', wo Freiheit dich einst fand!

 

Lausch' nur, wie aus West die Wellen

brechen voll auf groben Strand;

schau', wie weit im Wind die Möwen

segeln über See und Sand.

 

Wo bei Sturm durch Deich und Dämme

Mensch und Tier geborgen sind,

hast doch du einst Schutz gefunden.

Heimat auch  –  wie noch als Kind?

 

Flut und Ebbe  –  in Gezeiten

kommt das Schicksal sich euch nah'n.

Ob durch Höhen, ob durch Tiefen,

immer brecht ihr selbst euch Bahn.  –

 

Nordseewind, du wirst mein Leben

noch begleiten, Jahr um Jahr  –

wirst vielleicht auch mir vergeben,

wenn es keine Liebe war.

 

(Klaus Schikore – Oktober 2009)

Kranichzug

Kranichzug  –  Vergangenheiten

fallen ein in flaches Land.

Hab' den Ruf der grauen Vögel

wartend schon von fern erkannt.

 

Bleibt, ihr Boten aus dem Norden,

noch für Tage mir ein Gast,

aus der Heimat zu erzählen,

was einst Freude war, einst Last.

 

Fliegt ihr Vögel weiter südwärts:

Schaut nach vorn, nach neuem Glück!

Euren alten Weggefährten

aber lasst hier still zurück.

 

Fliegt ihr Vögel wieder nordwärts

meiner alten Heimat zu,

lässt ein Suchen, lässt ein Finden

meinen Wünschen keine Ruh.

 

Kranichzug  –  Vergangenheiten

suchen dich an jedem Ort,

wecken dich im Traum und tragen

auch dein Leben in sich fort.

 

(Klaus Schikore – Februar 2010)

 

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